Kriegskinder-Kriegsenkel

Wer zählt zu den „Kriegskindern“ ?

Kriegskinder haben ihre Kindheit oder Jugend während des Zweiten Weltkriegs verbracht. Sehr oft unbemerkt stehen sie noch heute unter dem Einfluss traumatischer Erlebnisse wie Hunger, Bombardierung, Verlust, Vertreibung, Tod.
Diese Erlebnisse können vielfältige seelische oder psychosomatische Krankheitsbilder nach sich ziehen. Ein so traumatisierter Mensch bleibt in seiner Lebensführung meist durch die Kriegserlebnisse geprägt und kann diese unbewusst an die nächste und übernächste Generation weitergeben.

Zu den Kriegskindern zählen ungefähr die Jahrgänge von 1930 – 1945.

Wer zählt zu den „Kriegsenkeln“ ?

Kriegsenkel sind die Nachfolgegeneration der Kriegskinder. Obwohl sie den Krieg nicht selbst erlebt haben, sind sie in ihrem Leben oftmals mit irrationalen Ängsten konfrontiert. Diese Ängste entziehen sich der eigenen Erlebniswelt und äußern sich häufig in Gefühlen des Verlorenseins, der Orientierungslosigkeit, der Antriebslosigkeit etc.
Es kommt nicht selten vor, dass diese Themen sich erst im mittleren Lebensabschnitt zeigen. Wichtig an dieser Stelle ist, das ich unter psychisch-emotionalen Belastungen leiden kann, deren Ursache ich selbst nicht erlebt habe.

Verständlicher wird dieser Zusammenhang unter dem Aspekt der „transgenerationalen Weitergabe“ von Traumafolgen. Dadurch sind die Kriegsenkel von den Kriegserlebnissen ihrer Eltern ebenfalls betroffen und geprägt. Das jeweilige Trauma hat sich gewissermaßen weitervererbt. Neuere Forschungsergebnisse der Epi- sowie Verhaltensgenetik belegen diesen Zusammenhang aus einer anderen Richtung.

Zu den Kriegsenkeln zählt man in Europa die Jahrgänge 1950 – 1975.

Natürlich ist für uns hier in Europa der Zweite Weltkrieg das entscheidende Ereignis. Das Phänomen der Weitergabe von Traumafolgen an die nächste Generation ist jedoch universell. Überall wo über einen längeren Zeitraum traumatisierende Zustände herrschen (z.B. Kriege, Naturkatastrophen und ihre Folgen), ist die Weitergabe von Traumata von der einen zur nachfolgenden Generation feststellbar.